Die Gewerkschaft Verdi versucht seit vier Jahren, dem US-Versandhändler Amazon einen Tarifvertrag für die 12.000 Beschäftigten in Deutschland abzuringen. Bisher ohne Erfolg. Jetzt bekommt sie Unterstützung von der Kampagne "Make Amazon Pay", die bundesweit Amazon-Mitarbeiter zu einem härteren Arbeitskampf ermuntert.

 "Hallo, vielen Dank! Wir freuen uns über das rege Interesse an dieser Veranstaltung. Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, gibt es diese Auseinandersetzung bei Amazon seit etwa vier Jahren …." 

Die Kampagne "Make Amazon Pay" gastiert heute in einer linken Szene-Kneipe im Berliner Stadtteil Neukölln. Im Veranstaltungsraum drängen sich unter einem alten Kronleuchter und Stuckdecke wohl an die hundert Menschen. Ein Aktivist der Kampagne ist Jonathan. Der 28-Jährige macht gerade seinen Bachelor in Philosophie: 

"Wir halten Amazon für einen sehr unnachgiebigen, sehr repressiven Arbeitgeber, der aber mit so einem Getue von Familie und so weiter ein vermeintliches Gemeinschaftsgefühl simuliert, aber reell sehr viel Druck auf die Beschäftigten ausübt. Und nicht mal auf so was wie Tarifverhandlungen ernsthaft eingeht." 

Die Kampagne "Make Amazon Pay" will die Streiks der Gewerkschaft Verdi unterstützen. Verdi versucht seit viereinhalb Jahren, dem US-Versandunternehmen einen Tarifvertrag für die 12.000 Beschäftigten in Deutschland abzuringen. Bisher ohne Erfolg. Nach dem Beginn der Streiks in Deutschland im Frühjahr 2013 hat Amazon neue Standorte in Osteuropa aufgebaut, drei in Polen und zwei in Tschechien. 

"Amazon reagiert auch auf die Arbeitskämpfe, aber nicht durch Zugeständnisse, was schön wäre. Sondern ich glaube persönlich, es ist kein Zufall, dass nach den Arbeitskämpfen in Deutschland Amazon zunehmend nach Osteuropa expandiert hat, um da noch billiger Arbeitskräfte zur requirieren. Und diesem Kampf aus dem Weg zu gehen."

Polnische Standorte fangen Streiks in Deutschland auf

Bei der Gewerkschaft Verdi betreut Thomas Voß als Bundesfachgruppen-Sekretär die Streiks bei Amazon. Er betont, dass die polnischen und tschechischen Standorte für den deutschen Markt lieferten. Das mache Streiks  schwierig, "weil in dem Moment, wo Leipzig, Bad Hersfeld, Graben, Augsburg oder auch die nordrhein-westfälischen Standorte in den Streik gehen, verlagert Amazon seine Volumina an die polnischen Standorte, und von dort werden die Waren nach Deutschland ausgeliefert, ohne dass der Kunde überhaupt mitkriegt, woher das kommt." 

Dagegen helfen nur internationale Streiks, daran glauben sowohl die Gewerkschaft Verdi als auch die Kampagne. Verdi-Sekretär Thomas Voß möchte jedoch betonen, dass es auch ohne Tarifvertrag Fortschritte gab:   

"Amazon weigert sich nach wie vor, mit uns überhaupt zu sprechen über einen Tarifvertrag. Dennoch waren die Streiks sehr erfolgreich, denn erst seit wir streiken, gibt es einmal im Jahr regelmäßig Lohnerhöhungen bei Amazon. Und auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen konnte erst seit wir streiken bei Amazon gelingen. Und das ist in der Tat ein Erfolg der Streiks."

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