Für die AktivistInnen ist es ein riesiger Erfolg: Rund 4.000 Menschen waren am Sonntag für das Bündnis „Ende Gelände“ unterwegs, um im Vorfeld des UN-Gipfels in Bonn für Klimagerechtigkeit zu streiten. Etwa 3.000 von ihnen haben es in den Tagebau Hambach geschafft, zwei Bagger und ein Förderband stillgelegt und fast schon routiniert die Bilder produziert, die seit Jahren um die Welt gehen: Weiß gekleidete Menschen in den Kratern der Abraumhalden, die mit Transparenten den sofortigen Ausstieg aus der Kohle fordern.

Der Zeitpunkt kurz vor dem Weltklimagipfel war strategisch klug gewählt – viel besser als im Sommer, als es dieses Jahr die erste Aktion von Ende Gelände, aber keinen Termin gab, der für die internationale Mobilisierung getaugt hätte. Diesmal kam nach Schätzungen des Bündnisses rund die Hälfte der TeilnehmerInnen aus dem Ausland. Denn auch dort – in den Niederlanden, den USA, England oder Australien – gibt es immer wieder Aktionen mit ähnlichem Design. Vernetzung und Erfahrungsaustausch funktionieren, wechselseitige Solidarität ist da.

Der Erfolg ist deshalb nicht nur daran zu messen, dass so viele Menschen wie nie schnell und gekonnt ihren Weg in den Tagebau gefunden haben. Sondern er besteht vor allem darin, dass die Bewegung gewachsen ist und Rückhalt findet, sowohl international als auch szeneübergreifend. Letzteres ist vor allem für die bundesdeutsche Klimaszene wichtig: Der Brückenschlag von Ende Gelände ins Bürgerliche, der sich in den vergangenen Jahren noch schwierig gestaltete, ist geschafft.

Allein die Tatsache, dass die Aktion trotz Novemberkälte und dem durchsichtigen Versuch der Polizei, durch das Verbot des Camps politisch Einfluss zu nehmen, überhaupt stattfinden konnte, liegt an der gewachsenen Akzeptanz des Bündnisses: Hunderte Bonner und Kölner Haushalte boten den AktivistInnen kurzfristig Schlafplätze an.

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