In diesem Gastbeitrag spricht Maxi Schulz, Mitglied der Gewerkschaft NGG und Beschäftigter in der Gastronomie, über die Probleme im Arbeitsalltag der Gastronomiebschäftigten und eröffnet die Perspektive eines gemeinsamen Kampfes um bessere Arbeitsbedingungen in ihrer Branche.

Die Gastronomie-Branche ist sehr divers, Beschäftigte sehen sich unterschiedlichen Problemen ausgesetzt. Das Ausliefern von Essen bei Lieferando auf dem Fahrrad ist zum Beispiel wesentlich gefährlicher als die Arbeit in einer Bäckerei. Der Kellner in einem schicken Restaurant mit viel Platz ist wahrscheinlich einem geringeren Infektionsrisiko mit dem Coronavirus ausgesetzt, als die Bartenderin in einer vollen Raucherbar. Es gibt neben diesen Unterschieden aber auch viele Gemeinsamkeiten.

Das Arbeiten in der Gastronomie ist in der Regel sehr anstrengend und stressig, oftmals gibt es in der gesamten Schicht keine Pausen, Arbeitszeiten sind sehr flexibel, Viele werden in Minijobs gedrängt, Nachtschichten und Arbeiten am Wochenende, sowie Feiertagen sind Normalität und die körperliche Belastung ist hoch. Trotzdem sind die Löhne in dieser Branche besonders niedrig. Über 60 Prozent verdienen weniger als 12 Euro die Stunde. In Bäckereien zum Beispiel, wo es auch quasi kein Trinkgeld gibt zahlen viele Unternehmen nur wenige Cent über dem Mindestlohn. Das für viele in der Gastronomie überlebenswichtige Trinkgeld hat sich im Zuge der Corona Krise zusätzlich verschlechtert. In den Hochphasen der Pandemie, wo weniger Gäste kamen war mein Trinkgeld um etwa 70% niedriger als zu “normalen Zeiten”. Auch jetzt, wo bei allen die Lebenshaltungskosten steigen wird das Trinkgeld für viele nicht den Ausgleich schaffen können, den sie benötigen, um sich ihr Leben leisten zu können.

Die Pandemie hat neben Gehalts- und Jobverlusten noch viele weitere Probleme gebracht. Beschäftigte in der Gastronomie sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, sich zu infizieren. Nun wurde in den meisten Bundesländern entschieden, sämtliche Maßnahmen, die uns Angestellte bei der Arbeit schützen können fallen zu lassen. Gefühlt waren wir über Jahre hinweg die Sonderbeauftragten des Staates, wenn es darum ging Hygieneregeln zu erklären und durchzusetzen. Nun hat sich die Regierung dazu entschieden uns zu durchseuchen und wir in der Gastro sind davon massiv betroffen. An nahezu jedem Arbeitstag habe ich Kontakt zu infizierten Personen.

Durch die Pandemie entstand auch ein massiver Personalmangel, den die Beschäftigten die in der Branche geblieben sind mit weniger Urlaub und Überstunden bezahlen durften. Bereits vor der Corona Pandemie waren die Arbeitsverhältnisse für viele unzumutbar. Dafür spricht zum Beispiel, dass im Schnitt die Hälfte aller Köche/Köch:innen ihre Ausbildung abbrechen.

Des Weiteren steigen nun die Lebensmittelpreise extrem an. Das betrifft nun nicht nur uns, sondern auch die Unternehmen, die sich gezwungen sehen, mehr Geld in die Ware zu investieren, um den Betrieb am Laufen zu halten. Dadurch wird in den meisten Betrieben weniger Geld in das Personal investiert. Für uns steigen die Lebenshaltungskosten ja auch, aber mehr Gehalt steht erst einmal kaum in Aussicht. Die steigenden Preise, verursacht durch die Krise des kapitalistischen Systems, werden von den Inhaber:innen auf die Beschäftigten und Kund:innen abgeladen.
Inwieweit kann es nun sinnvoll seien, dass wir uns organisieren?

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