Immer wieder wurden im Kampf gegen Arbeit, Kapitalismus und den Sozialstaat Diskussionen über die Sinnhaftigkeit und die Möglichkeiten einer langfristigen (Selbst-)Organisation von Erwerbslosen geführt. Dieser Text soll einen Beitrag zur Diskussion leisten und der Arbeit und den Ideen der ErwerbslosenSelbstorganisation der Freien Arbeiter:innen Union eine Bühne bieten. Der erste Teil wird auf die Notwendigkeit der Selbstorganisation von Erwerbslosen eingehen, der zweite bietet konkrete Widerstandsperspektiven.

Warum sich Erwerbslose bei der FAU organisieren sollten

Bei der Erwerbslosen Selbstorganisation handelt es sich um einen Kampf gegen den Sozialstaat. Dieser ist ein erheblicher Faktor in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Er schafft den Rahmen der Lohnabhängigkeit unserer Klasse. Ohne den ökonomischen Druck, der durch Sozialleistungen entsteht, die nicht zum Leben reichen, wären wir nicht in der Notlage, zum Überleben auch Arbeit annehmen zu müssen, die schlecht bezahlt oder unter miserablen Arbeitsbedingungen stattfindet. Arbeiter:innen hätten den Verlust ihrer Lohnarbeit weit weniger zu fürchten, wenn sie auch ohne Lohnarbeit nicht von Armut bedroht wären. Dies würde ihnen ermöglichen, sich viel besser gegen ihre Ausbeutung zur Wehr zu setzen.

Die Schlussfolgerung daraus scheint auf den ersten Blick einfach: Erhöhungen der Sozialleistungen. Auf den zweiten Blick fällt allerdings auf, dass wir als arbeitende Klasse damit immer vom Staat als Institution abhängig wären.

Aus diesem Grund ist zweigleisige Organisation notwendig. Auf der einen Seite sollten wir bessere Sozialleistungen erkämpfen, auf der anderen Seite müssen wir aber Strukturen schaffen, die uns von diesen unabhängig machen. Eigene Solidaritätskassen, in die wir gemeinsam einzahlen, um unsere Mitglieder vor der ökonomischen Bedrohung der Erwerbslosigkeit zu schützen und soziale Konsum- und Wohn-Netzwerke sind nur ein paar von vielen Ideen, die diese Unabhängigkeit ermöglichen. Darauf wird später weiter eingegangen.

Ohne eine gemeinsame Organisierung von Lohnarbeitenden und Erwerbslosen kann durch den dauerhaften Wechsel vieler Menschen zwischen Lohnarbeit und Erwerbslosigkeit keine dauerhafte Organisation gewährleistet werden. Um dynamisch zu reagieren, muss eine solche Struktur föderal aufgebaut sein, da föderale Organisationen durch ihre geringere Größe eine direktere Anbindung an ihre Basis haben und durch die lokale Aufteilung auf die jeweils vorherrschenden Bedingungen besser reagieren können. Eine überregionale Organisation dieser föderalen Strukturen ist trotzdem notwendig, da lokal nur wenig Wirkmacht vorhanden ist.

Dafür eignet sich die Struktur der Freien Arbeiter:innen Union (FAU), da sie all diese Anforderungen erfüllt. Jedes FAU Mitglied in Lohnarbeit profitiert zugleich mit, da es für den Fall, selbst in Erwerbslosigkeit zu geraten, abgesichert ist. Lokale unabhängige Erwerbslosen Organisationen wie BASTA aus Berlin haben diese Vorteile nicht und sind daher leider nur bedingt dazu in der Lage diesen Teil des Kampfes gegen den Kapitalismus zu organisieren.

Damit hätte sich das Grundsätzliche erklärt und es wird nun damit fortgefahren, wie diese Widerstandsperspektiven in der Praxis aussehen können. Diese Methodensammlung ist keine abgeschlossene Liste, sondern kann und muss sich in der Praxis stetig erweitern

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