Verbraucherportal: Hartz-IV-Regelsätze decken reale Energiekosten nicht. Die Kluft zum tatsächlichen Bedarf wird immer größer

Steigende Mieten und Lebensmittelpreise, hohe Stromkosten: Für 6,4 Millionen Hartz-IV-Bezieher und gut eine Million Sozialhilfeberechtigte wird die Teuerung immer mehr zum Problem. Ganze sieben Euro mehr gesteht die Bundesregierung Alleinstehenden ab 2018 insgesamt zu. Im Regelsatz von 416 Euro werden dann lediglich 35 Euro für den Posten »Wohnen, Energie und Wohninstandhaltung« enthalten sein – 58 Cent mehr als bisher. Darauf, dass diese Summe nicht einmal dafür ausreicht, die Stromrechnung zu begleichen, wies am Dienstag das Verbraucherportal Verivox hin. Nach dessen Berechnungen müssen Singlehaushalte im Schnitt gut 26 Prozent mehr als vom Gesetzgeber einkalkuliert bezahlen.

Den Angaben zufolge belaufen sich die tatsächlichen Kosten eines Alleinlebenden für die Grundversorgung mit Strom im bundesweiten Durchschnitt auf 44,30 Euro monatlich. Legt man die günstigsten Anbieter zu Grunde, seien es 40,50 Euro und damit immer noch 15 Prozent mehr, als im Regelsatz dafür vorgesehen ist. Zudem können nicht alle Bezieher von Hartz IV oder Sozialhilfe die preisgünstigen Energieversorger nutzen. Ein Grund hierfür ist, dass viele Anbieter grundsätzlich keine Verträge mit Personen abschließen, die einen Eintrag bei der Kreditauskunftei Schufa Holding AG haben. Von hohen Kosten seien »Hartz-IV-Bezieher besonders betroffen, weil sie meist eine geringere Bonität aufweisen«, so der Verivox-Energieexperte Mathias Köster-Niechziol.

Besonders gravierend ist das Problem in Ostdeutschland, weil dort der Strom im Durchschnitt teurer ist. So müssen Singlehaushalte in Brandenburg dafür jeden Monat rund 49 Euro aufwenden. Das sind fast 40 Prozent mehr, als Hartz-IV-Bezieher insgesamt für Reparaturen und ihren Energiebedarf erhalten. Pro Jahr ergibt sich so ein Fehlbetrag in Höhe von 163 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern belaufen sich die monatlichen Stromkosten im Schnitt auf gut 47 Euro, in Thüringen auf 46 Euro. Im Westen müssen Verbraucher laut Verivox etwa 44 Euro pro Monat aufwenden. In den alten Bundesländern verzeichnet das Portal die größte Kluft zwischen tatsächlichen Kosten und Regelsatzposten mit 31 Prozent in Schleswig-Holstein. Bezieher von Hartz IV und Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung sind gezwungen, die übersteigenden Beträge von anderen Posten der Trans­ferleistung, etwa für Ernährung, Kleidung oder Verkehr, abzuzweigen.

Mehr lesen (www.jungewelt.de)