Zahl befristeter Stellen erreicht Rekordwert. Beschäftigte häufen Überstunden an. Sieben Euro mehr bei Hartz IV

Prekär zu arbeiten, wird immer mehr zum Normalfall im »Wirtschaftswunderland« BRD. Nicht nur die Zahl der Minijobs, Leiharbeiter und Werkverträge verharrt nach vier Jahren großer Koalition auf Rekordniveau. Auch für einen Großteil der Menschen in »geregelter« Beschäftigung ist die Angst um die Zukunft inzwischen ein ständiger Begleiter. Nach einer aktuellen Erhebung wurden von den im Jahr 2016 neu besetzten sozialversicherungspflichtigen Stellen 45 Prozent zeitlich befristet vergeben. Darüber informierte am Mittwoch die Rheinische Post (RP) unter Berufung auf Zahlen der Bundesregierung sowie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Der RP-Bericht bezieht sich auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag. Demnach lag die Quote der Befristungen bei Neueinstellungen im Jahr 2015 noch bei 41 Prozent, also vier Punkte unter dem Stand von 2016. In seiner Stellungnahme verweist das Arbeitsministerium auf IAB-Daten, die auch bei den Erwerbstätigen mittleren und höheren Alters eine Verschärfung der Situation abbilden. Wurden 2015 noch 38 Prozent der 30- bis 39jährigen auf Zeit eingestellt, waren es im darauffolgenden Jahr 49 Prozent. Bei den über 50jährigen legte der Wert von 39 auf 41 Prozent zu.

Auch in puncto Überstunden machen Deutschlands Unternehmer »Fortschritte«. Wie das Statistische Bundesamt gestern vor Pressevertretern in Berlin mitteilte, taten im Vorjahr elf Prozent aller Vollzeitkräfte mehr als 48 Arbeitsstunden pro Woche Dienst. Dabei verdingen sich insbesondere ältere Erwerbstätige als Dauermalocher. Solche im Alter zwischen 55 und 64 Jahren verrichteten zu 14,4 Prozent überlange Arbeitszeiten; besonders jüngere Beschäftigte und Berufseinsteiger würden weit überwiegend mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist.

Die Flut von Arbeitsverhältnissen mit Verfallsdatum vor allem bei Jüngeren sei »fatal«, gerade in einem Alter, in dem die Familienplanung im Mittelpunkt stehen sollte, monierte am Mittwoch die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), beklagte ein »Massenphänomen, das viele Arbeitgeber als ausgedehnte Probezeit missbrauchen«.

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