Gekündigte stehen finanziell vor dem Abgrund – Gorillas Management zieht mit Antrag zum Abbruch der Betriebsratswahl in die nächste Instanz.

Der Kündigungsschutz von Wahlbewerbern und Mitgliedern des Betriebsrats muss deutlich verbessert werden.

Welche Probleme bestehen und welche Verbesserungen notwendig wären, soll in diesem Artikel anhand der Situation bei Gorillas, insbesondere aber an der Situation von Muhammad, einem Wahlvorstandsmitglied und Wahlbewerber bei der anstehenden Betriebsratswahl, verdeutlicht werden.

Auftretende Akteure in diesem mehrteiligen Drama rund um demokratische Grund- und Mitbestimmungsrechte sind Gewerkschaften, Anwälte, das Arbeitsgericht und eine Gruppe von Fahrrad-Lieferantinnen und-Lieferanten (Rider), die sich Gorillas Workers Collective nennt. Das Setting: Bei dem Lieferdienst Gorillas in Berlin soll eine Betriebsratswahl durchgeführt werden. Das ist vermeintlich reichlich unspektakulär und im §1 des Betriebsverfassungsgesetz für alle Betriebe mit mehr als fünf ständigen und wahlberechtigen Beschäftigten routinemäßig vorgesehen.

Bereits im Juni 2021 wird hierfür von den rund 1300 Berliner Gorillas-Ridern ein Wahlvorstand bestellt. Der Wahlvorstand ist dafür zuständig, die Betriebsratswahl durchzuführen.

Aber: Was heißt das für den einzelnen Lohnabhängigen, wenn er sich in einem Konzern wie Gorillas an der Gründung eines Betriebsrats aktiv beteiligt? Wie funktioniert der Schutz für Beschäftigte, die demokratische Grundrechte wahrnehmen wollen gegen Union Busting und Unternehmer-Willkür?

Muhammads Ziel: Unerträgliche Arbeitsbedingungen verbessern

Im Juni 2021 wählen die Berliner Rider Muhammad als Ersatzmitglied in den Wahlvorstand. Er ist Lieferfahrer und stammt gebürtig aus Pakistan. Wie die meisten Lieferboten ist er noch nicht lange in Deutschland und spricht nur wenig Deutsch. Da kommt es ihm entgegen, dass beim Lieferdienst Gorillas die Betriebssprache Englisch ist. Damit er seine Schichten kennt, hat Muhammad eine App auf sein Handy geladen. Darüber werden ihm seine Arbeitszeiten mitgeteilt.

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