Die Beschäftigten im Münchener Bosch-Werk kämpfen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Dabei werden sie von Klimaaktivisten unterstützt. Ihre gemeinsame Forderung: Keine Entlassungen für den Klimaschutz, stattdessen die Umstellung auf ökologische Produktion.

Das ist eine Katastrophe«, sagt Giuseppe Ciccone als er beim IG-Metall-Aktionstag zu Bosch vor »seinem« Münchner Werk steht. Kurz zuvor hatte er vor etwa 600 Beschäftigten eine kämpferische Rede gehalten. Mittlerweile sind die meisten wieder ins Werk gegangen oder abgereist. Der Münchner Bosch-Betriebsratsvorsitzende arbeitet seit fast vierzig Jahren im dortigen Bosch-Betrieb. Mit 18 Jahren ist er dorthin gekommen – und bis heute geblieben. Das Werk und seine Beschäftigten sind ein zentraler Teil seines Lebens: »Wie eine Familie«, sagt er selbst. Eine Familie jedoch, in der in letzter Zeit gehörige Krisenstimmung herrscht. Denn die Zukunft des Werks steht auf dem Spiel.

Im vergangenen Jahr verkündete Bosch seine Schließungspläne. Das Werk in München ist bislang ein Verbrennerstandort. Dort werden Kraftstoffpumpen und Ventile für Diesel- und Benzinmotoren gefertigt, die in E-Autos keine Verwendung mehr finden werden. Vor zwanzig Jahren arbeiteten dort noch etwa 1.600 Menschen, jetzt sind es nur noch etwa 260. Eigentlich ein kleiner Standort. Doch der Kampf der 260 gegen die geplante Schließung ist längst zum Symbol der Auseinandersetzungen um die Zukunft der Autoindustrie und ihrer Beschäftigten geworden.

Transformation von oben

Bosch ist der aktuell weltgrößte Automobilzulieferer. Der Konzern macht seinen  Umsatz bislang allerdings hauptsächlich mit Verbrenner-Technik. Will er seine Machtposition erhalten, wird sich der Konzern transformieren müssen. Unter anderem plant das Unternehmen, die bisher in München angesiedelte Produktion zu verlagern, einen kleinen Teil nach Nürnberg, den größeren nach Tschechien oder Brasilien. Dabei hatten die Beschäftigten zwischen 2005 und 2017 im Rahmen eines Beschäftigungssicherungsvertrages 40 Millionen Euro gezahlt, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Eine beachtenswerte Vorgehensweise für einen Konzern, der auf seiner Homepage zum Münchner Werk schreibt: »Im Werk München stehen wir für ein familiäres Miteinander.«

Ähnliche Pläne zum Abbau von Arbeitsplätzen bestehen für die Werke im thüringischen Arnstadt  und im badischen Bühl: In Arnstadt will Bosch ebenfalls die Produktion einstellen. In Bühl sollen 1.000 der bisher 3.700 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Der Konzern begründet seine Pläne mit dem Wandel zur E-Mobilität und der damit einhergehenden Anpassung der Konzernstruktur. Er kündigte an, Elektromobilität zu seinem Kerngeschäft machen zu wollen und die »CO2-freie« Mobilität als Wachstumsfeld nutzen zu wollen. Dazu will das Unternehmen diverse Standorte schließen – und nutzt den Umbau, um zu sparen und Arbeitsplätze abzubauen. Denn für die Fertigung eines E-Autos werden deutlich weniger Arbeitskräfte benötigt als für einen Verbrenner.

Für Miyase Erdogan, die ebenfalls seit Jahrzehnten in dem Münchner Werk arbeitet, ist jedoch klar: »Mit E-Autos hat das nichts zu tun«. Denn Bosch habe die Produktion schon früher in sogenannte Billiglohnländer verlagern wollen. Und auch die IG-Metall meint, Bosch missbrauche den Verweis auf die Umstellung zur E-Mobilität als einen weiteren Vorwand für Schließungspläne. Bei den Verlagerungen und dem Arbeitsplatzabbau gehe es vor allem darum, höhere Profite zu erwirtschaften. Tatsächlich will Bosch auch gar nicht mit dem Verbrennergeschäft Schluss machen – es soll nur eben günstiger werden.

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