Italienische Arbeiter protestieren gegen den Umgang einer Druckerei mit pakistanischen Arbeitern.

Das Wort »Sklavenhaltung« gehört eigentlich in ein anderes, längst vergangenes Zeitalter. Heute gibt es so etwas nicht mehr - und schon gar nicht in einem zivilisierten, europäischen Land wie Italien. Oder etwa doch? Die Ereignisse, die die Druckerei Grafica Veneta betreffen, die ihren Sitz in Norditalien bei Padua hat, beweisen leider das Gegenteil. Das in den frühen 1960er Jahren gegründete Familienunternehmen, das den Druck von Büchern, Katalogen und Magazinen anbietet und für etliche große Verlage arbeitet, zählt zu den führenden in Europa.

Bekannt wurde die Geschichte im Mai 2020, als auf einer Landstraße ein Pakistaner aufgefunden wurde: die Hände auf dem Rücken gefesselt und übersät mit Blessuren, die ganz offensichtlich zeigten, dass der Mann übel verprügelt worden war. Wenig später wurde bekannt, dass mindestens neun weitere Männer, alle ebenfalls Pakistani, das gleiche Schicksal erleiden mussten.

Die Justiz setzte sich in Gang und im Juli dieses Jahres wurden zwei hohe Manager der Grafica Veneta und sieben weitere Mitarbeiter der Druckerei verhaftet, weil sie gewusst und bewusst ignoriert haben sollen, dass einige Werksarbeiter wie Sklaven ausgebeutet und »gehalten« wurden.

Sie hatten Arbeitsverträge, die auf den ersten Blick ganz normal erschienen: 1100 Euro monatlich für einen regulären Acht-Stunden-Tag. Dann aber stellte sich heraus, dass ihnen monatlich ungefähr die Hälfte des Geldes für nicht weiter definierte »Dienstleistungen« abgezogen wurden. So musste jeder dieser Werksarbeiter 120 Euro »Miete« für ein Bett in einem stinkenden und baufälligen Haus ohne wirkliche hygienische Einrichtungen bezahlen. Der reale Stundenlohn lag bei weniger als fünf Euro; die Arbeitszeit betrug mindestens zwölf Stunden pro Tag und das sieben Tage die Woche, ohne Feiertage und ohne Urlaub. Als »Arbeitsvermittler« agierten zwei Italiener pakistanischer Herkunft.

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