Die Arbeiter*innen der Dragon Sweater Fabrik in Dhaka, Bangladesch, wurden während der Pandemie (März 2020) entlassen, ohne dass ihnen ihre ausstehenden Löhne und Abfindungen ausgezahlt wurden. Durch die kontinuierliche Auseinadnersetzung formierte sich eine Bewegung, welche den Druck auf die Fabrikeigentümer aufrecht erhielt. Auch internationale Organisationen und Initiativen wie der Global May Day schlossen sich dieser an und führten Solidaritätsaktionen durch.

Die Textilarbeiter*innen, die für ihre ausstehenden Löhne und Abfindungszahlungen auf die Straße gingen, werden in drei Kategorien eingeteilt:
Kategorie 1: Arbeiter*innen mit festem monatlichen Gehalt (90)
Kategorie 2: Paid-Per-Piece Arbeiter*innen (PPP), deren Vergütung davon abhängt, wieviele Kleidungsstücke sie produzieren (300 – 320)
Kategorie 3: Abteilungsleiter, Kolleg*innen im Bereich des Qualitätsmanagements (65)

Im Oktober 2020 sollten die betroffenen Arbeiter*innen gemäß einer zwischen den Eigentümern, den Lohnabhängigen und Vertreter*innen der Regierung unterzeichneten dreiseitigen Vereinbarung in drei Raten ab Anfang November bezahlt werden. Die Eigentümer zahlten jedoch die erste Rate nicht und kündigten somit die Vereinbarung wieder auf.

Die Arbeiter*innen gaben jedoch nicht auf und nahmen ihre Aktionen wieder auf. Die Eigentümer wurden erneut zu Gesprächen gezwungen. Aber dieses Mal, angesichts der Militanz und der Langwierigkeit des Kampfes in Kombination mit der unnachgiebigen Haltung der Eigentümer, war die Arbeitsministerin selbst gezwungen, an den Treffen teilzunehmen.

Anfang Dezember wurde nun eine Einigung über die Bezahlung von 80 Textilarbeiter*innen der Kategorie 1 erzielt. Die Gewerkschaft GWTUC (Garment Workers‘ Trade Union Center) legte jedoch eine umfassendere Liste vor, die 90 Arbeiter*innen der Kategorie 1 auswies, deren Lohnzahlungen ausstanden. Nach den Verhandlungen erhielten alle 90 Arbeiter*innen der Kategorie 1, d.h. diejenigen, die auf monatlicher Basis bezahlt werden, die ihnen zustehenden Löhne und Abfindungen.

Für die Arbeiter*innen der Kategorie 2 (Paid Per Piece), wurde ein Untersuchungsausschuss gebildet, der die geschuldeten Löhne schätzen sollte. Das Komitee war von Anfang an einseitig und stark zugunsten der Eigentümer zusammengesetzt.
Schließlich schlugen die Eigentümer vor, 50 Prozent dessen zu zahlen, was den PPP-Arbeiter*innen eigentlich zusteht, was sie auf 1 Million Tk (etwa 10.000 Euro) schätzten. Der Vorschlag der Eigentümer enthielt jedoch nicht den Mindestlohn, den auch die PPP-Arbeiter*innen laut dem Bangladesh Labor Act 2006 jeden Monat erhalten sollten.

Nach Protesten der Textilarbeiter*innen sowie die GWTUC schlug die Arbeitsministerin vor, den Betrag auf 1,5 Millionen Tk zu erhöhen. Nach Berechnungen der GWTUC werden den Arbeiter*innen jedoch mehr als 3 Millionen Tk geschuldet. Angesichts der Langwierigkeit des Kampfes einigten sich alle beteiligten Parteien letztendich auf den Vorschlag, den Arbeiter*innen am 22. Dezember 2020 1,5 Millionen Tk zu zahlen. Die GWTUC plant die ausstehende Differenz der Gelder für die Arbeiter*innen der Kategorie 2 vor Gericht zu erstreiten.

Die Verhandlungen über die ausstehenden Zahlungen für Arbeiter*innen der Kategorie 3 sind jedoch ins Stocken geraten. Die Eigentümer weigern sich ihnen das zu zahlen, was ihnen zusteht. Nach Schätzung der GWTUC handelt es sich um einen Betrag von mehreren Millionen, der Jahrzehnte zurückreicht. Die GWTUC strebt hier ebenfalls einen Rechtsstreit vor den Arbeitsgerichten an. Laut Arbeitsgesetz darf kein*e Arbeiter*in entlassen werden, ohne alle ausstehenden Beträge zu zahlen. Ein kleiner Erfolg wurde jedoch bereits erzielt, da den Arbeiter*innen der Kategorie 3 zumindest ihre Beiträge aus dem Provident Fund (Vorsorgekasse) ausgezahlt wurden.

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