Kommentar: Hunderttausende haben im Baskenland beidseits der Grenze für bessere Renten, Löhne und ein würdiges Leben gestreikt und damit gezeigt, was moderne Gewerkschaftspolitik ist

Vermutlich hat kaum jemand im deutschsprachigen Raum mitbekommen, dass es im Baskenland am gestrigen Donnerstag einen Generalstreik gab. Sogar Zeitungen, die sich "sozialistisch" nennen, oder die sich ausdrücklich als "linke Tageszeitung" begreifen, war es bestenfalls eine kleine Meldung am Rande wert, dass beidseits der Grenze im französischen Baskenland Hunderttausende Menschen für würdige Renten, Löhne, und Arbeitsbedingungen gestreikt haben. Fabriken blieben geschlossen - auch viele Kneipen und Geschäfte -, und im Radio und im Fernsehen lief nur ein Notprogramm.

Es ist anscheinend selbst für linke Medien nicht von Bedeutung, wenn im kleinen Baskenland fast so viele Menschen und für ganz ähnliche Forderungen streiken und auf die Straße gehen wie beim Protest gegen die Rentenreform in ganz Frankreich. Dabei hat das Baskenland nicht einmal 5% der Bewohner Frankreichs, und auch findet sich hier weiterhin wohl die kämpferischste und am Besten organisierte Bewegung für soziale Rechte, deren Forderungen deutlich über die in Frankreich hinausgehen.

Oder wie der Schweizer sozialistische Politiker und Historiker Jo Lang per Twitter angemerkt hat: "Im Rahmen des baskischen Generalstreiks für würdige Löhne und Renten wird vor der Ladenkette Mango gegen die Arbeitsbedingungen in #Bangladesh demonstriert. Der Internationalismus ist nirgendwo so stark wie in #Euskadi - und #Catalunya.... #U30GrebaOrokorra." Jo Lang hat seine Doktorarbeit über das Baskenland geschrieben und weiß wovon er spricht.

Gestreikt wurde sowohl in den drei baskischen Provinzen im französischen Baskenland, den drei Provinzen in Spanien, die "Baskische Autonome Gemeinschaft" genannt werden, als auch in Navarra. Und mit dem Streik wurde die seit fast zwei Jahren andauernde Bewegung der Rentner für würdige Renten, die ebenfalls im Baskenland begann und sich später über ganz Spanien ausgebreitet hat, auf eine neue Stufe gehoben.

Mehr lesen (www.heise.de)