G 20: Polizeiübung legt Verkehr im Zentrum lahm. Innensenator warnt vor potentiell tödlicher Blockade der Kolonne des US-Präsidenten

Knapp zwei Monate vor dem G-20-Gipfel in Hamburg befindet sich die Stadt in einem unerklärten Ausnahmezustand. Polizei und weitere Behörden haben das Ruder in die Hand genommen. Am Mittwoch vormittag ging in der Innenstadt nichts mehr – eine Übung der Polizei sorgte für lange Staus. Rund 100 Beamte übten die »Schleusung« von Limousinen. Insgesamt wurden drei Fahrzeugkolonnen durch das Stadtgebiet eskortiert. Polizeisprecher Timo Zill sagte dem Radiosender NDR 90,3, während des Gipfeltreffens müssten mehr als 30 Delegationen befördert werden, ein Training unter realitätsnahen Bedingungen sei notwendig.

Wenn am 7. und 8. Juli die Regierungschefs von 19 sogenannten Industrie- und Schwellenländern, das 20. Mitglied ist die EU, an die Elbe kommen, wird es eine Vielzahl von Konvois geben – etwa vom Flughafen in Fuhlsbüttel zu Hotels oder den Tagungsorten Messehallen, Rathaus und Elbphilharmonie. Für die Kolonnen der als besonders gefährdet deklarierten Staatenlenker werden alle Ampeln auf Grün geschaltet, damit sie nicht halten müssen.

In diesem Zusammenhang sorgte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) am Montag für Schlagzeilen. Laut Hamburger Abendblatt warnte er Gipfelgegner davor, sich mit Versuchen, Kolonnen zu blockieren, in Gefahr zu bringen. Dabei hatte Grote offenbar vor allem die Kolonne des US-Präsidenten im Auge. Donald Trump wird in einem gepanzerten Cadillac befördert, »The Beast« genannt, der sechs Tonnen wiegt und auch großkalibrigen Geschossen standhält. Dass Kolonnen zum Stehen kommen, gelte als »Horror aller Personenschützer«, schreibt das Blatt. Automatisch gingen die schwer bewaffneten Bodyguards des Secret Service dann von einem Anschlag aus. »Eine Abwägung nach dem deutschen Versammlungsrecht finde dann nicht mehr statt«, zitiert die Zeitung einen »hochrangigen Sicherheitsexperten« und folgert: »Wer dann im Weg steht oder gar sitzt, ist in Lebensgefahr.«

 

Ein makrabes Szenario angesichts der Tatsache, dass bei einem der letzten Gipfeltreffen in einer europäischen Großstadt, dem der G8 in Genua 2001, der 23 Jahre alte Carlo Guiliani von einem Carabiniere erschossen wurde. Mit Entsetzen reagierte denn auch die Linksfraktion in der Bürgerschaft. »Auf Protestierende, auf Menschen, die zivilen Ungehorsam ausüben, darf unter keinen Umständen geschossen werden. Dafür tragen Sie Verantwortung«, erklärte Cansu Özdemir, eine der beiden Fraktionsvorsitzenden, an Grote gewandt.

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