„… Die erste vierstündige Arbeitsniederlegung hat am 17. Juni 2019 stattgefunden. Das Unternehmen reagierte mit einer Aussperrung am 23. und 24. Juni (100% Kurzarbeit). Das Gesetz in Griechenland erlaubt den Arbeitgebern bis zu drei Monaten im Jahr auszusperren. Die neue Taktik der Gewerkschaft bestand nun darin, jeweils zwei Stunden zu streiken und dann wieder zwei Stunden die Arbeit aufzunehmen. In einem Stahlwerk führt das zum Stillstand. (…) Wegen der Blockaden hat es zwei Strafanzeigen gegeben. Das Unternehmen hat die Gewerkschaft wegen des Produktionsausfalls auch auf Schadensersatz verklagt. Es wurden jeweils 5000 € pro ausgefallene Arbeitsstunde gefordert. Die Gesamtforderung beläuft sich inzwischen auf 60.000 €. Das Gericht hat den Charakter der Streiks zwar als rechtswidrig bewertet; die Streiks seien nicht zweckgerichtet und daher illegal. Aber auf der anderen Seite konnte sich auch das Unternehmen mit seiner Forderung nach einem sofortigen Verbot des Arbeitskampfes nicht durchsetzen. Bis heute hat der Sidenor-Vorstand alle Forderungen kategorisch abgelehnt…“ – aus dem Bericht (und Solidaritätsaufruf) „Thessaloniki: Wochenlanger Arbeitskampf im Stahlwerk Sidenor „Lohnkämpfe sollen nicht Schule machen““ vom Oktober 2019, den wir im folgenden dokumentieren – samt Spendenkonto und Email-Adresse:

Thessaloniki: Wochenlanger Arbeitskampf im Stahlwerk Sidenor – „Lohnkämpfe sollen nicht Schule machen“

Am 19. Oktober trafen wir zwei Kollegen des Arbeiterkomitees (dem betrieblichen Gewerkschaftsvorstand) von Sidenor in Thessaloniki, u.a. den Gewerkschaftsvorsitzenden Lefteris. „Sidenor ist einer der führenden Stahlerzeuger in Europa für die Fertigung von gewalzten Langprodukten in Edelbaustahl und ein weltweit bedeutender Hersteller von Stahlguss- und Schmiedeteilen.“ Die Niederlassung von Sidenor im westlichen Industriegebiet Thessalonikis wurde als erster Betrieb des Unternehmens bereits 1964 gegründet. Der Gewerkschafter Lefteris arbeitet seit über 37 Jahren in der zweiten Generation in diesem Betrieb. Das Arbeiterkomitee besteht aus sieben Personen.

Am 7. Juni dieses Jahres trat die Belegschaft in einen Streik nachdem Verhandlungen über Lohnerhöhungen gescheitert waren. Gefordert wurde ein Stufenplan; im ersten Jahr sollten die Löhne um 6 und im zweiten Jahre um 8 Prozent erhöht werden. Zusätzlich sollte die Produktivitätsbprämie im ersten Schritt um 10 Prozent, im zweiten um 20 und im dritten um 30 Prozent erhöht werden. Ab 2008, dem Beginn der Finanzkrise, wurden die Löhne um 30 bis 35 Prozent gesenkt worden, zuletzt nochmals im Jahre 2013 um 15 Prozent. Der Bonus in Höhe von 350 € wurde komplett gestrichen. Dies ist deshalb bedeutsam, weil zuvor Lohnerhöhungen immer nur über die Bonusprämien realisiert wurden.

2012 waren in Griechenland mehrere Stahlbetriebe geschlossen worden. Auch bei Sidenor in Thessaloniki wurden 100 Kolleg*innen mit Abfindungen entlassen. Derzeit arbeiten noch 270 Leute im Betrieb. Von 2008 bis 2017 hat der Betrieb rote Zahlen geschrieben; seit 2017 ist er wieder in der Gewinnzone. Deshalb wurden jetzt die Forderungen erhoben. Würden sie durchgesetzt werden können, gäbe es in wenigen, günstigsten Einzelfällen Lohnsteigerungen von bis zu 25 Prozent.

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