Interview mit Manoli Ramajo, 77 Jahre alt und Mitglied der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT Madrid

Die Confederación Nacional del Trabajo (CNT) ist eine Konföderation anarchosyndikalistischer Gewerkschaften in Spanien. Mit rund zwei Millionen Mitgliedern war sie die wichtigste Protagonistin des Widerstandes gegen den faschistischen Franco-Putsch im Spanischen Bürgerkrieg. Im Zuge dessen initiierte sie im Sommer 1936 maßgeblich eine Libertäre Revolution in Barcelona und anderen Regionen (vgl. Schwerpunkt GWR 410). Nach dem Sieg Francos 1939 wurde die CNT in Spanien zerschlagen. Sie reorganisierte ihren Widerstand gegen den Franquismus im Untergrund und im französischen Exil. Nach dem Tode Francos formierte sie sich ab 1976 neu, ohne allerdings an die frühere Bedeutung anknüpfen zu können. Heute ist sie nach der ebenfalls anarchosyndikalistischen CGT die zweitgrößte anarchosyndikalistische Gewerkschaft Spaniens. Mit der 77-jährigen CNT-Aktivistin Manoli Ramajo sprach in Fonsagrada für die Graswurzelrevolution Anja Kraus (GWR-Red.).

Anja Kraus: Manoli, möchtest Du mir etwas über Dein Leben erzählen?

Manoli Ramajo: Ich war, als ich 25 Jahre alt war, bis ich 34 Jahre alt war, in Deutschland arbeiten und gehörte zu gar keiner Gruppe. In Deutschland habe ich mich von meinem Ehemann getrennt, er war ein Macho und hat mich nicht respektiert. Frauen, die ohne ihren Ehemann mit einem anderen Mann lebten, wurden als gefälscht bezeichnet, "adulterio", das war ein Delikt und wurde mit Knast bestraft. Ein Mann wurde nicht bestraft, wenn er seine Frau verließ. Ich hatte damals vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn. Die Kinder waren bei mir oder bei meiner Mutter in Spanien und einige Zeit waren sie im Internat.

Zu dieser Zeit lebte ich in Wiesbaden. Dort hatte ich einen älteren Compañero, er gehörte einer aktiven militanten anarchistischen Gruppe an und hatte an der Spanischen Revolution 1936 teilgenommen. Wir hatten in Wiesbaden ein spanisches Zentrum, dort arbeiteten wir gegen den spanischen Diktator Franco, aber auch gegen die Ausländergesetze in Deutschland, wir haben Gesetze studiert, denn wir hatten als spanische Arbeitnehmer in Deutschland schlechtere Arbeit und niedrigere Löhne. Zudem haben wir uns gegen die Todesstrafe in Spanien engagiert.

Franco ist dann 1975 gestorben. 1977 bin ich nach Madrid zurückgegangen. In Usera, einem Stadtteil von Madrid, haben wir dann ein "Ateneu libertario" [das sind "libertäre Lokale", vergleichbar mit den Infoläden oder A-Läden] aufgebaut.

Wir haben in Deutschland auch gekämpft, als sie 1976 Ulrike Meinhof in der Haft ermordet haben. Wir haben dann Kampagnen gemacht. Auch 1980, als sie den Flughafen Frankfurt erweitert haben, haben wir bei den ersten Camps mitgemacht, ich bin dann von Spanien nach Deutschland gekommen. Vor der Flughafenerweiterung haben wir diverse Kampagnen gegen den Flughafenausbau gemacht.

Damals bin ich dann auch in den CNT eingetreten. [Manoli zeigt mir stolz ihren CNT-Ausweis.]

Ich habe noch Zeitungen der UTE, das heißt "Union de Trabajadores Emigrantes" (Union der emigrierten Arbeiter). In unserem spanischen Zentrum gab es Menschen der unterschiedlichsten Färbungen, nicht nur Anarchisten.

Wir Anarchisten waren sogar weniger, aber trotzdem hielten wir alle zusammen. Wir haben wirklich sehr viele Flugblätter gegen den Mord an Ulrike Meinhof gemacht, meinen Lebensgefährten Viktor haben sie sogar eine Nacht verhaftet und eingesperrt, weil er diese Flugblätter abgeholt hatte.

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