Zur Zeit des Schreibens protestiert die Bevölkerung Puerto Ricos seit sieben Tagen nacheinander auf den Straßen der Hauptstadt San Juan, und die Anzahl der Menschen steigt ständig. Die Wut, die von den Skandalen ausgelöst wurde, die die Korruption und die politischen Intrigen des Gouverneurs Ricardo Rosselló entlarvten, wird keineswegs geringer. Hinzu kommt das völlige Missmanagement des Wiederaufbaus nach dem Hurrikan Maria.

Eine Kombination des Kolonialismus, des Rassismus der Trump-Regierung, der neoliberalen Agenda des Finanzaufsichts- und Verwaltungsrats (auch bekannt als „la Junta“) und der Unfähigkeit der Verwaltung von Rosselló trug zur unter der Oberfläche brodelnden Wut bei. Was schließlich die ganze Situation zum Kochen brachte, war die Enthüllung von privaten Nachrichten zwischen Roselló und seinen Kumpanen, die das Ausmaß ihrer Grobheit und die Verachtung, die sie für die Armen, für Frauen, für LGBTQ+-Menschen und für andere unterdrückten Teile der Gesellschaft haben.

Die Bewegung breitet sich jetzt auf die anderen Teile der Insel aus und bezieht Arbeiterinnen. Arbeiter und andere einfache Menschen ein. Das letzte Mal, wo Massenproteste die Insel erschütterten, waren die Demonstrationen 1999 in San Juan über den Militärstützpunkt bei Vieques, als die Protestierenden den Abzug der dort stationierten US-amerikanischen Flotte forderten. Heute stehen die Protestierenden vereint hinter der Forderung nach dem Rücktritt von Roselló. Etwas Großes passiert hier: einfache Menschen stehen jetzt im Mittelpunkt des Geschehens, während die politischen Parteien versuchen Schritt zu halten.

Seit damals hat anscheinend nur die von Hurrikan Maria verursachte Tragödie die puertoricanische Gesellschaft mit einer Stimme vereint. (Das war der schlimmste Hurrikan seit Anfang der Aufzeichnungen, mehr als 4.645 Menschen starben als Ergebnis davon.) Die Menschen erlebten monatelang diesen Alptraum ohne Strom, ohne fließendes Wasser oder Trinkwasser, ohne Zugang zu Geldautomaten, um Geld abheben zu können. Die Menschen hatten keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Medikamenten, was zu Tausenden von Toten führte. Tausende von Wohnungen blieben ohne Dächer, weil die versprochenen Abdeckplanen nie geliefert wurden. Das ganze hat Tausende von Puertoricaner dazu gezwungen, als Flüchtlinge in die USA zu emigrieren. Nach zwei Jahren der ineffizienten und oft skandalösen Verwaltung durch Rosselló, haben die Puertoricaner sich zusammengeschlossen, um seinen Rücktritt zu fordern oder – sollte er sich entscheiden, an seinem Posten festzuhalten – ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Was passiert gerade in Puerto Rico? Was hat diese fortdauernde Protestwelle ausgelöst?

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