Wo kommen sie künftig zusammen, der junge erfolgreiche Start Up-Unternehmer und der 55-jährige arbeitslose Hartz IV-Bezieher? An der Supermarktkasse bei Rewe, Netto oder Rossmann. Dort soll künftig nach dem Willen der Bundesagentur für Arbeit der Langzeitarbeitslose teilweise sein ihm zustehendes Geld abholen. Möglich macht das ein privates Dienstleistungsunternehmen, das 2011 von drei Jungspunden auf dem digitalen Feld gegründet wurde. Während ihnen das Internet neue Geschäftsmodelle ermöglicht und Wohlstand bis Reichtum bringt, ist der 55-jährige Hartz-IV-Bezieher arbeitslos, weil man in der digitalen Welt zum Beispiel keine Druckvorstufe mehr braucht. Und Sozialverbände kritisieren das Arbeitslosengeld über die Rewe-Kasse als diskriminierend.

Doch der Reihe nach. Florian Swoboda ist einer der drei Gründer des Berliner Start-ups barzahlen.de. Das Unternehmertum wurde dem 25-Jährigen quasi in die Wiege gelegt, sind die Eltern doch als Ärzte selbstständig. »So bekam Florian von Geburt an mit, was es heißt sich selbst etwas aufzubauen und Verantwortung für Mitarbeiter zu tragen«, das meinen jedenfalls die Autoren eines Buches über »Start ups international: Gründergeschichten rund um den Globus«. Und die Autoren wissen weiter, dass »auch ein Großteil seines Freundeskreises seit jeher aus Unternehmern besteht«. Derartig gepampert und mit einem Studium an der »Otto Beisheim School of Management« versehen, waren alle Voraussetzungen für den Start in der digitalen Welt gegeben.

Die Geschäftsidee kam den drei Studenten der Wirtschaftswissenschaft angesichts der schlechten Zahlungsmoral von Computerspielern in Online-Games. Viele davon sind noch minderjährig und verfügen über keine Kreditkarte. Um dieses Problem zu lösen, suchten die angehenden Jungunternehmer nach einer Schnittstelle zwischen der analogen und der digitalen Welt: Und stießen auf die bundesweit flächendeckend verbreitete Infrastruktur von elektronisch vernetzten Supermarktkassen. Damit war die Geschäftsidee geboren, und 2011 gründete Swoboda mit seinen beiden Kompagnons in Berlin die CAS Payment Solutions GmbH. Die Firma bietet unter dem Label »Barzahlen.de« eine private Zahlungsinfrastruktur an, das heißt, man kann mittlerweile an 10 000 Supermarktkassen Bargeld einzahlen oder auch abheben.

Und das sollen künftig auch Hartz-IV-Bezieher, die sich in finanziellen Notlagen befinden, tun, sich also ihr Arbeitslosengeld an der Supermarktkasse abholen. Dort treffen dann, vermittelt über das Bezahlsystem, die Globalisierungsverlierer auf die Globalisierungsgewinner. Die digitale Revolution zeigt ihr doppeltes Gesicht: Was für die Jungen Geld bringt, bringt den aus dem Arbeitsprozess ausgemusterten Älteren das Arbeitslosengeld II.

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