Diese Woche treffen sich die großen Pharmaunternehmen und Wissenschaftler_innen in Berlin, um sich über mRNA-Technologie auszutauschen. Dabei wird den Menschenrechten leider kein Platz auf dem Podium eingeräumt.

Pharmaunternehmen wie BioNTech und Moderna haben es in der Hand, hunderte Millionen Menschen weltweit vor der weiterhin grassierenden COVID-19-Pandemie zu schützen, gerade in ärmeren Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von zehntausenden "absolut vermeidbaren" Todesfällen täglich – wären nur die vorhandenen Impfstoffe fair verteilt. Doch die Konzerne konzentrieren sich darauf, ihre Aktienkurse zu maximieren, statt die Zahl der COVID-19-Toten zu minimieren. Laut WHO sind seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 mehr als fünf Millionen Menschen an COVID-19 gestorben – die Dunkelziffer liegt sicher deutlich höher.

Viele dieser Leben hätten gerettet werden können, hätten reichere Staaten nicht die verfügbaren Impfdosen gehortet und hätten Vakzin-Hersteller ihre Technologien und Patente mindestens vorübergehend freigegeben, statt den Ausbau der globalen Impfstoffproduktion zu blockieren. Inzwischen sind hierzulande 66 Prozent der Bevölkerung geimpft, in Ländern mit niedrigen Einkommen lediglich zwei Prozent. Diese eklatante Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Impfstoffen ist ein Skandal – und eine Verletzung von Menschenrechten im großen Ausmaß.

Pharmaunternehmen müssen ihrer Verantwortung für die Menschenrechte endlich gerecht werden. Auch sie dürfen nicht zu Menschenrechtsverletzungen beitragen. Doch genau das tun die führenden Impfstoffhersteller, wenn sie ihre mRNA-Vakzine fast ausschließlich an die meistbietenden Länder, mit höheren Einkommen, verkaufen und bislang weniger als 1 Prozent an Länder mit niedrigen Einkommen geliefert haben. 2021 verkauften BioNTech/Pfizer 12-mal so viele Dosen an die EU (600 Millionen) wie an die Afrikanische Union (50 Millionen), obwohl letztere knapp dreimal so viele Einwohnende hat.

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