nläßlich der Covid19-Pandemie haben die Mitglieder des Allgemeinen Syndikates Düsseldorf in den letzten Tagen, Wochen und Monaten immer wieder über die Situation diskutiert. Diese von uns nun verfasste Erklärung zum „pandemischen Ausnahmezustand“ streift einige Punkte, die uns wichtig erscheinen.
Zum einen wagen wir damit einen „Blick zurück“, denn die Katastrophe, zumindest für uns Arbeiter*innen, begann in vielen Bereichen nicht erst mit der Pandemie.
Verstärkt werden für uns ganz real (denn unsere Mitglieder kommen aus verschiedenen Ländern und von unterschiedlichen Kontinenten) die alltäglichen Katastrophen noch durch die vielfältigen Ungleichheiten. Sei es an der Unterscheidung unserer Geschlechter (zumeist zwischen Mann und Frau) oder unserer Herkunft – und oftmals wegen beidem.
In der Pandemie kommen nun neue Angriffe auf uns zu, die uns alle betreffen.

Aber: Es gibt auch Hoffnung. Wir haben darum einige Forderungen aufgestellt, die wir zusammen durchsetzen können! Ideen dafür haben wir – und teilen sie euch am Ende unserer Stellungnahme auch mit.

Ihr könnt hier die Stellungnahme .pdf downloaden
PDF: Stellungnahme des ASyD zum pandemischen Ausnahmezustand

oder einfach hier online lesen…..

Die Katastrophe begann schon lange vor der Pandemie!

Blicken wir einmal 30 Jahre zurück, dann sehen wir das ein ganzes Bündel von Maßnahmen, wie 1993 die Einführung eines strikten Budgetierungssystems für Krankenhäuser, die Reform durch die Rot-Grüne Regierung 2003/2004, die Einführung der Private Public Partnerships und fortschreitender Privatisierungen vormals öffentlicher Krankenhäuser sowie die Reformen in Bezug auf die Versicherten und die Krankenkassen u.v.a.m.1 zu einem dramatischem Rückgang der Krankenhausbetten (1991 – 2011 von 665.565 auf 502.029) geführt haben.

Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Patient*innen von 14,58 auf 18,34 Millionen zu, allerdings führte die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens dazu, dass die Pflegedauer von 1991 durchschnittlich 14,0 Tage im Krankenhaus auf 2011 nur noch 7,7 Tage zusammengestrichen wurde2.

Nicht zu vergessen all die weiteren Maßnahmen und ihre negativen Effekte. Erinnert sei hier nur auf den letzten Angriff auf unsere Gesundheit, unmittelbar vor der Pandemie: So titelte die Bertelsmann Stiftung im Sommer 2019 unmissverständlich: „Eine bessere Versorgung ist nur mit halb so vielen Kliniken möglich“.3

Von 2014 bis 2018 hat sich die Anzahl offener Stellen in der Pflege im Krankenhaus von 9.800 auf 15.700 dramatisch erhöht. Gesucht werden vor allem gut ausgebildete Fachkräfte (76%) und Spezialist*innen (14%).4 Diese Zahlen sind umso dramatischer, als das es ja bald nicht nur an Intensivbetten und ggf. wieder an Materialien (Beatmungsgeräten, Schutzkleidung, -masken, Desinfektionsmitteln und Medikamenten usw.) fehlen wird, sondern weil es bereits jetzt vor allem an den hoch ausgebildeten Pfleger*innen mangelt!

Im Ergebnis könnte dies früher oder später auf die sogenannte „Triage“ hinauslaufen. Das bedeutet, dass es mehr Menschen geben könnte, die intensivmedizinisch behandelt werden müssten als es freie Betten bzw. medizinische Arbeiter*innen gibt. „Dann kämen wir in eine Situation [?…?] in der ausgewählt werden müsste, wer behandelt wird“5 und wen man dem Tod überlässt.

Vielfältige Ungleichbehandlung

Obwohl Frauen nur ca.: 46% aller Beschäftigten in der BRD ausmachen, stellen sie mit 80% (Pflege) bzw. 84% (Altenpflege) die überwiegende Mehrheit in diesen Berufen dar.

Mit 56% (Altenpflege) und 44% (Pflege) arbeiten viele Frauen nur Teilzeit und mit 3.314 € (Fachkraft Pflege) bzw. 2494 € (Hilfskraft Pflege) verdienen Frauen6 im Durchschnitt in sozialversicherungspflichtigen Jobs auch noch weniger als westdeutsche Männer (3.624 € – 3.716 €) durchschnittlich brutto verdienen.7

Schaut man einmal auf drei der Branchen, die in letzter Zeit als „Systemrelevant“ bezeichnet wurden

  • Einzelhandel mit Lebensmitteln (72,9%)

  • Krankenhäuser (76%)

  • Kindergärten und Vorschulen (92,9%)

sieht man eindeutig, dass hier überwiegend Frauen arbeiten.8

Im Einzelhandel fallen allerdings nur noch knapp 36% der Arbeiter*innen unter einen Tarifvertrag. Im Durchschnitt verdienen sie dort 2.040 € und damit 10% weniger als ihre männlichen Kollegen! Ähnlich sieht es auch in der Pflege (10%) und bei den Erzieher*innen aus (6% bei der Unterscheidung zwischen Männern und Frauen)!9

Nicht zu vergessen:

  1. Noch immer verdienen die Arbeiter*innen im Osten im Durchschnitt zwischen 13,9% (Brandenburg) und 18,2 % (Sachsen) weniger als die Kolleg*innen in Westdeutschland.10

  2. Am schlechtesten werden Arbeiter*innen bezahlt, die keinen Deutschen Pass besitzen. In Ostdeutschland verdienen sie 2.125 € im Monat, in Westdeutschland 2.575 € 11

Das alles ist schon lange bekannt, und so nett auch der abendliche Applaus der Leute gemeint war – so unnütz ist er leider auch. Seit Jahren fordern zum Beispiel die Pfleger*innen und Erzieher*innen bessere Arbeitsbedingungen und einen höheren Lohn, damit die Arbeit erträglicher wird und die Kolleg*innen von dem Lohn auch leben können.

Mehr lesen (www.fau.org)